„Ehe für alle“ – ein Rückschritt

Deutschland hat in einer überraschenden, schnellen Entscheidung am 30. Juni 2017 die Ehe für alle erlaubt. Damit wird es neu auch ein Recht auf Kinderadoption und den Zugang zur Reproduktionsmedizin geben.

226 Stimmen sprachen sich dagegen aus, 393 dafür. Auch die muslimischen Abgeordneten sagten ja. Obwohl von der Anwendung für gleichgeschlechtliche Paare ausgegangen wurde, dürften Muslime diese Öffnung begrüssen, um ihrerseits schon bald das Recht auf die Vielehe einzufordern. Mit dem Schlagwort Diskriminierung werden Polyamore vereint mit Muslimen und einer immer orientierungsloseren Gesellschaft die nächste Hürde nehmen. Da die Ehe nicht mehr nur Frau und Mann vorbehalten ist, kann sie in Zukunft beliebig auf weitere abstruse Lebensmodelle ausgeweitet werden.

„Die Epoche der Toleranz ist beendet, das Zeitalter der Akzeptanz kann beginnen", so formulierte der grüne Abgeordnete Volker Beck die Tragweite der Entscheidung in der Debatte vor der Abstimmung. Wozu Deutschland „ja“ gesagt hat, das existiert bereits in 13 europäischen Ländern. In den USA und Kanada ist die „Ehe für alle“ ebenfalls in beschränktem Umfang möglich, ebenso in Südafrika, sowie in den Ländern Argentinien, Uruguay, Brasilien, Kolumbien, Taiwan und Neuseeland. In den Medien machten kürzlich drei Männer aus Kolumbien Schlagzeilen, welche zu dritt geheiratet haben. Eigentlich hätten sie sich zu viert ehelichen wollen, aber einer war vorher verstorben. Dieses Beispiel zeigt, wohin die Reise geht. Der Druck auf die Schweiz wird ebenfalls steigen, wie man sogleich in den Medien grossflächig lesen konnte.

Vor 30 bis 50 Jahren wäre die „Ehe für alle“ in unseren Breitengraden noch kaum vorstellbar gewesen. Die entsprechenden „progressiven“ Kräfte zusammen mit der scheinwissenschaftlichen Ideologie Gender-Mainstreaming entfalten ihre Wirkung. Dabei galt der Kampf lange der Befreiung aus dem Ehezwang hin zu unverbindlichen Lebensgemeinschaften. Mit der zunehmenden Toleranz und gar geforderten Akzeptanz der gleichgeschlechtlich Empfindenden wurde nun sogar das Ehemodell vordergründig wieder attraktiv. Aber nur, um gleiche Rechte zu erlangen und gleichzeitig die Ehe von Mann und Frau sowie das herkömmliche Familienmodell vollends aufzubrechen. Gleichzeitig richten sich diese „Errungenschaften“ gegen die christlichen Grundlagen und damit die göttliche Lebensordnung. Mit dieser Entwicklung einhergehend ist – nicht verwunderlich – auch die Entchristlichung der gesamten Gesellschaft in vollem Gang. Das freiheitsfeindliche Toleranzdiktat kann beginnen.

Wenn man die historisch auffälligen Auswirkungen auf Völker je nach vorherrschender Beziehungsform anschauen wollte, könnte man erkennen, dass, wo nicht Monogamie gelebt wird, der langfristige Fortbestand der Gesellschaft sehr gefährdet ist. In der umfangreichen Studie „Sex and Culture“ untersuchte der Ethnologe Joseph Daniel Unwin das Kulturniveau von 80 herausragenden Völkern der Vergangenheit. Dabei wies er nach, dass ein direkter Zusammenhang zwischen der sexuellen Moral eines Volkes und dessen Entwicklung besteht. Bei allen Völkern, in denen Mann und Frau in Monogamie lebten, war die Zivilisation am höchsten entwickelt. Jedes Volk, das davon abwich, degenerierte und ging häufig sogar unter. Wenn in Völkern Mann und Frau generell nicht in Monogamie leben, bleiben diese auf einem tieferen Niveau stecken. Auch aus diesen Gründen kann von der Ausbreitung der „Ehe für alle“ nichts Gutes erwartet werden.

Die grössten Verlierer dieser Entwicklung sind jedoch die Kinder. Es ist für Kinder verheerend, dass zunehmend von einem Recht auf Kinder und nicht mehr einem Recht des Kindes auf leibliche Eltern ausgegangen wird. Die WHO postuliert diese Sichtweise bereits ebenso. Die Reproduktionsmediziner werden sich freuen. Leihmütter werden dank Berühmtheiten aus Sport und der Glamourwelt auch immer mehr zu einer Option. Der Bauch, welcher durch die akzeptierte Abtreibung bereits der gefährlichste Ort für werdendes Leben ist, soll neu auch bei gewollten Kindern zu einem unpersönlichen, bindungs- und gefühlfreien Ort für werdendes Leben werden. Die daraus entstandenen Defizite und Traumas werden dann wohl anderen Umständen zugeschrieben. Auch in diesem Bereich gäbe es genügend Erkenntnisse und Forschung, welche beweisen, dass ein Kind bereits im Bauch von ganz vielen Umständen, Bedingungen und Gefühlen mitbekommt und geprägt wird. Wie muss es für Frauen sein, welche keine Bindung ans Kind im Bauch entwickeln dürfen, weil sie es ja bloss austragen? Und wenn es ihnen nichts auszumachen scheint, wie viel ist da schon kaputt gegangen in ihrem eigenen Leben? Der Mensch negiert nicht ungestraft die Lebensgesetze des Schöpfers. Deshalb ist Widerstand gegen solche Entwicklungen auch in der Schweiz weiterhin dringend nötig!

Autorangaben

Lisa Leisi ist Familienfrau und wohnt in Dietfurt. Sie ist Präsidentin der EDU Kt. SG.